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Jean Ernyei last update 24.1.2006 adaptiert 10.12.04 ohne den Grungedanken zu verändern designed by H i g h w a y
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Ernst Gehmacher, Jean Ernyei
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Kann Sozialkapital, wie Finanzkapital, als Quantität verstanden werden, die von Null bis zu einem Maximum, zu einem idealen Sättigungspunkt friedlicher und freundlicher Gemeinschaft reicht – oder sogar als unbegrenzt gesehen werden soll? Oder wäre eine Skala angemessener, wie wir sie für die Temperatur verwenden, mit einem Nullpunkt – und mit Minusgraden, die Streit, Zerrissenheit und Hass bemessen? Oder entspräche es nicht besser der Realität, zwei unabhängige Masse zu verwenden: eine Skala für den Grad des Zusammenhalts und der Synergie einer Gemeinschaft – und eine andere Skala für den Dissens der Bindung, Normen und vertrauen, für das, was seit der Antike als „Anomie“ und „Zerfall“ der eigenen Gesellschaft gefürchtet wird.
Die Spaltung eines an sich kontinuierlichen Phänomens hat sich ja auch in anderen großen Bereichen der Gesellschaft für die Kausalanalyse und die Prozess-Modellierung als nützlich erwiesen: so die Teilung von menschlicher Befindlichkeit in Krankheit und Gesundheit oder die Trennung der Emotionen in Leiden und Freuden. Und auch der Kapitalbegriff legt eine solche Separierung nahe, in Guthaben und Schulden, in Soll und Haben. (Wie für das Finanzkapital könnte man sogar annehmen, dass es zwischen Plus und Minus einer Balance bedarf – beim Sozialkapital zwischen dem Abbau traditioneller Bindungsmuster im Prozess der Modernisierung und dem Aufbau neuer Bindungsformen durch Innovität.
In solch scharfer Differenzierung von Merkmalen und Phänomenen nach Positiv und Negativ, Gut und Böse, Weiss und Schwarz steckt – über die semantische Tendenz zu Dramatisierung hinaus – auch die Erfahrung, dass es sehr oft Quantensprünge in der Wirkung gibt, wenn es von einer an sich durchaus als Kontinuität bestehenden Ursache über kritische Grenzen hinaus zuwenig oder zu viel gibt. Wo ein Lebenselement so weit fehlt, dass eine Mangelkrankheit entsteht, wo Überfluss und Übersättigung zu Sucht, Laster und Gift werden, ist in vielen belangen eine entscheidende Frage. In der Medizin oder der Ökologie nimmt die Bestimmung von Schädlichkeitsgrenzen im Zuviel wie im Zuwenig und die Suche nach der für die Nutzenwirkung optimalen Dosis einen wichtigen Platz ein. Und die Ökonomie versucht, den Grenznutzen und die Risken von Investitionen zu bestimmen.
Es scheint daher ratsam, für die Messung von Sozialkapital ebenfalls ein Modell zu verwenden, dass
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Die Trennung von Sozialkapital und Anomie vorsieht, als zweierlei Merkmale jeder Sozietät, die einander abschwächen, aber auch steigern können, mit selbstverstärkenden zirkulären Effekten im Sinne von „Teufelskreis“ und „Engelskreis“.
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Die Kausaleffekte von Sozialkapital nicht einfach als gleichförmig linear annimmt und kalkuliert, sondern mit dosis-abhängigen Wirkungen (auf Effizienz und Befindlichkeit) rechnet;
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kritische Werte für das Umschlagen zwischen positiven und negativen Regelkreisen postuliert – Verte, die sich in Relationen von Sozialkapital und Anomie ausdrücken.
In groben Zügen sei ein Modell skizziert, das eine derartige Teilung der positiven und negativen Potentiale einer Gesellschaft benützt, um mit Hilfe eines zweiten „Teilungspaares“ gesellschaftlicher Kräfte – nämlich Innovativität und Effizienz – die großen Wellen historischer Zyklen darzustellen. |
Die Grundannahmen sind:
- Sozialkapital tendiert zur Selbstverstärkung („Gemeinschaft wächst, wo Gemeinschaft ist“).
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Sozialkapital tendiert zur Selbstverstärkung („Gemeinschaft wächst, wo Gemeinschaft ist“)
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Sozialkapital bedeutet Effizienz und fördert auch Effizienzentwicklung („Gemeinschaft macht stark“).
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Überholt die Effizienz das Sozialkapital, so entsteht Anomie („Hybris der Gesellschaft“)
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Hohe Anomie zerstört Sozialkapital(„Implosion der Gesellschaft“)
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Hohe Anomie regt Innovativität an („Chaos zwingt zum Denken“)
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Effizienz – Krisen (Abfall von hoher Effizienz) lösen Innovativität aus („Man lernt nur aus Krisen“)
- Innovativität startet und fördert Wachstum von Effizienz und Sozialkapital („Der Schwung des Neuen“)
Die Theorie der langfristigen Technik-Schübe, der Kondratieff-Zyklen und der großen Wirtschaftszyklen, beruht auf solchen Interaktions-Annahmen. Aus diesen Annahmen lassen sich zyklische Phasen der gesellschaftlichen Evolution ableiten.
1. Neuerungsaufschwung („Goldenes Zeitalter“): Unter dem Impuls hoher Innovativität steigen Effizienz (Erfolg) und Sozialkapital (Organisations – Niveau gleichzeitig, eine begleitende Zunahme von Anomie stört den Aufschwung kaum
2. Hybris: Die Effizienz (Reichtum und Wirtschaftswachstum) ist beeindruckend hoch, doch der Zusammenhalt (Sozialkapital) leidet unter wachsenden Verteilungskonflikten (Ungleichheit). Degradation der Eliten und Aggressivität der benachteiligten zerstören die Sozialgefüge, die Bemühungen um Bewahrung von Ordnung und Sozialkapital erdrücken die Innovativität – die Warnungen der kritischen Intelligenz vor der Hybris untergraben das Vertrauen, schwächen also zusätzlich das Sozialkapital
3. Implosion: Die Ordnung kippt, Sozialkapital wird entwertet, Anomie breitet sich aus, aus dem Normenkonflikt und dem Effizienzverlust erwachsen neue Ideen- „Kreativität der Dekadenz“ - , die aber Sozialkapital und Effizienz noch weiter schwächen, Die fiebrige Hektik des Niedergangs endet schließlich im versagen der gesellschaftlichen Strukturen.
4. Krise: Das Überhandnehmen der Anomie zerbricht das Wertesystem und die Motivation, Kriminalität und Suchtverhalten breiten sich rapid aus, das Sozialkapital geht in inneren und äußeren Konflikten völlig verloren – die Gesellschaft „stürzt ab“, in Ruin und Bankrott. Im „worst case“ endgültig
5. Regeneration: In der Ernüchterung nach der Krise finden Innovationen ein freies Feld und Sozialkapital entsteht allmählich wieder. Allgemeine Armut, durch geringe Effizienz, lässt die Anomie absinken – die überlebende Gesellschaft formiert sich neu.
Diese Zyklitität im Wechsel von „Teufelskreisen“ und „Engelskreisen“ nimmt in unterschiedlichen Sozietäten jeweils andere Formen und ein anderes Tempo an. Sehr intelligente selbstreflexive Systeme können die Abschwungphasen mildern und extreme Krisen vermeiden – und dadurch eine aufsteigende Evolution über lange Zeiten sichern. Doch den zyklischen Wirkungsmustern, den Feedback-Kreisen (Spiralen) und den Kipp-Punkten der Entwicklung, ist nicht zu entgehen. Selbst sehr stabile Sozietäten haben ständig gegen destabilisierende Trends zu kämpfen. Die Evolution durch Hybris und Krise ist Natur der Sozietäten..
Graphische Darstellung des Modells:
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